Er zielte auf mein Herz

2–3 Minuten

Mittwoch, den 30. Juni 1926

Heute ist er in Berlin, zusammen mit Leres Mann. Den ganzen Tag denke ich nur an ihn, daran, wie ich ihn zuletzt gesehen habe.

Sonntagnachmittag hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit. Ich musste doch Abschied von ihm nehmen. Ich renne über den Hof, da steht die ganze Familie. Rechts und links Edam und Kurt, mit aufgepflanzten Gewehren wie Soldatengesichter. Schallend muss ich lachen, und die Alten lachen mit. Legau muss kommandieren: „Rührt euch!“

Und dann legt Kurt an und zielt auf mein Herz.

Im Hause.

Ich stehe vorn im Zimmer, Lere ist im Büro. Da fühle ich mich mit einem Mal umfasst, hoch emporgehoben und auf den nächsten Sessel gesetzt. Dann setzt sich der böse Mann in den Nachbarsessel. Dem Jungen will er beibringen, „Mutti“ zu sagen, aber der sagt prompt: „Mami.“

Wie weich seine Stimme: „Sag mal Mutti.“

Man hofft, dass ich abends wiederkomme, aber das kann ich nicht.

Dann gehen wir ins Musikzimmer, und er spielt nur für mich „Im Rausch einer Nacht“. Hinter seinem breiten Rücken will Legau mich dauernd küssen. Das gibt’s nicht.

Und dann singt er mir das Lied von der Rosmarin: „Träumende Frau, ergib dich.“

Fest bittend, beinahe befehlend, sucht sein Blick den meinen.

Ich habe doch nur ihn lieb.

Legau lässt mich nicht los.

„Ich will Sie nicht dauernd stützen.“

„Dauernd nicht oder nur heute nicht?“, fragt er.

Dann will er sich empfehlen. Ich will mich verabschieden, und er meint, er störe nur. Das darf nicht sein. Ich drehe mich um und rufe ihm nach:

„Ich dachte, Sie wollten mich noch nach Hause bringen.“

Da hört der Chef auf zu spielen, dreht sich um – wie dringend fragend seine Augen.

Legau geht hinaus.

Abschied.

„In acht Tagen bin ich wieder hier.“

Nur seine Augen.

Und dann sollen Marga und er uns von ihrer Hochzeitsreise erzählen.

Noch ein Winken. Augen fangen Augen.

Legau und ich.

Ich weiß nicht, ob Legau mich liebt. Seine Küsse brannten gestern Abend noch auf meiner Schulter, meinem Hals und meiner Backe. Meinen Mund suchte er, aber ich wollte doch nicht. Oh, ich wollte doch nicht. Ich dachte, wir könnten doch wie Kinder miteinander spielen.

Da schlingt er den Arm um mich. Seine Blicke, sein ernster Mund.

Ich musste lachen, weil er doch jünger ist als ich. Was will er denn?

Und doch ist er der Erste, der es fertiggebracht hat.

Sein Gesicht ist interessant, deshalb sehe ich es mir gern an. Ist das verkehrt von mir?

Warum muss er mich dann immer gleich küssen?

Wie in einer wilden Wut drückt er meine Hand und zwingt mich, sie ihm zum Kuss zu überlassen.

Nachmittags waren Bare, der Junge und ich mit Edam aufs Feld gefahren. Edam hat meine landwirtschaftlichen Kenntnisse erweitert.

„Der Chef soll heiraten“, meinte er, „dann hätte er mehr Rechte. Das passte ihm besser.“

KI generiert

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