Mehr Kindermädchen als Erzieherin

1–2 Minuten
Seite 146 Teil 2

Mittwoch, den 7. Juli 1926

Es gießt. Wolkenbruch. Gewitter. Das viele Korn!

Bine ist krank. Den ganzen Tag habe ich am Bett gesessen. Ich soll nicht zu ihnen, die ich liebe.

Um sechs, als ich frei hatte, kam Fräulein Sprenger und nun dieser Regen!

Aber sie sind ja da, das ist ja das Glück.

Heute morgen, als ich gerade aus dem Fenster sah, erblicke ich das Leuchten seines weißen Kragens, die graugrüne Mütze. Ach, ein Jubeln in mir.

Ob Lotte an mich denkt? Aber sie müssen doch wissen, dass ich bei solchem Wetter nicht kommen kann. Und ich denke immer an sie.

Wenn Gott doch nur Sonne schicken wollte. Wie soll die Ernte werden?

Könnte ich bei ihm sein. Er soll nicht traurig sein. Seine Hand wollte ich in meine beiden nehmen und sie streicheln, und auf seine Sorgenstirn wollte ich ganz leise einen Kuss drücken, ganz zart und innig. Er sollte wissen, dass ich zu ihm stehe mit allem, was ich bin und habe.

Wie schwer und traurig das Leben ist. Und doch wäre es mit ihm schön.

Ob er nun weiß, dass ich ihn liebe? Ob Lotte es ihm erzählt hat?

Bald ist mein Buch voll. Wie viel Glück es schon jetzt umschließt.

Wenn ich nur erst den Montag überstanden hätte.

Immer kommt der Hund, und ich muss ihn streicheln, weil er so traurige Augen hat.

Es regnet immer noch.

Eben kommt Minna von unten: Frau Gelmer wäre da, sie wolle mich sprechen.

Also soll ich bei diesem Wetter hinunterkommen. Es sei schon alles fertig gemacht. Frl. Schm. und Herr Edam laden mich dringend ein, Herr Dr. aus Berlin sei da, und Herr Schmidt hole Sekt usw.

Aber das Kind ist krank. Und dann dieses vorherige Fragen, das kann ich nicht. O, das kann ich nicht. Selbst wenn ich ihnen weh tun muss.

Und eben sagt die Baronin, dass ich Sonntag lieber nicht fahren sollte, weil so viele Gäste da sind. Dann fahre ich also morgen schon.

Man ist mehr Kindermädchen als Erzieherin.

KI generiert

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