

Sonnabend, den 10. Juli 1926
Gestern Abend von Hannover zurück.
Eilzug, wolkiger Himmel, ganze Felder stehen im Wasser. Dörfer, Lichter, vorbei wie ein Windhauch. Lotte und ihr Ludwig.
Annemarie brachte mich zur Bahn, war rührend. Wird mir das Einleben dort erleichtern, und Liesel freut sich, dass ich wiederkomme.
Hier strömender Regen, fremde Menschen, Schirme geliehen. Draußen trifft mich der Baron. Er macht ein ganz bestürztes Gesicht, will es nicht glauben, dass ich gehe. Und ich denke an so manchen beleidigenden Scherz.
Morgens das Kind! Sie ist tapfer, schluckt die Tränen hinunter, sie wollte die Verlobung berufen. Und die Baronin, sehr nett, dankte mir, dass ich ihr gleich Ersatz besorgen wollte. Scheinbar war es ihr doch nicht ganz leicht, mich gehen zu lassen. „Was sollen wir nun ohne die Wichtel anfangen.“
„Aber sie muss sehr oft kommen, es ist ja gar nicht weit“
Da sah ich zum Fenster hinaus und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Man ist sehr lieb zu mir.
Und nun bin ich unten gewesen, habe Frau Schmidt alles erzählt. Lotte und Kurt in Uslar wollen heute Abend auf einem Landbundfest tanzen, Edam fährt vielleicht auch noch hin. Ob sie wohl traurig war und der Alte? So oft hätte dann ja wieder niemand. Draußen Erdbeeren gepflückt für die Heimkehrenden heute Abend. Kurt wäre immer so missgestimmt wegen dieses Regens und er erzählte gar nichts. Aber er darf seinen armen Hund nicht so heulen lassen. Ob er es mir auch abschlagen würde, wenn ich ihn darum bäte?
Und mitten im Schreiben muss ich innehalten und denke an ihn, sehe ihn vor mir stehen, mich mit Blicken, mit Händen festhaltend.
Und nun tanzt er in Uslar. Er sucht sich nur hübsche Mädels aus; wie er mit ihnen lacht und ihnen in die Augen sieht, da vergisst er mich. Aber wenn sie nach Hause kommen, wird die Mutter ihnen von mir erzählen. Vielleicht denkt er dann noch mal an mich, ehe er einschläft.


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