
Freitag, den 30. Juli 1926
Gestern Abend war Lotte hier. Und nun ist Friede in mir, tiefster Friede. Jetzt erst kann ich mich mit ihnen freuen, will mit ihnen froh sein. Die kleine Margarete wird schon am 10. kommen und zur ihres Liebsten Geburtstag hier sein. Sie wären beide so toll verliebt ineinander. Mir tut das Herz gar nicht mehr weh. Ist es möglich, kann man so schnell überwinden?
Lottes Freundschaft ist mir unbeschreiblich, und ihr Bruder steht unter ihr und mir. Wie ich einem Kinde sein Glück gönne, so ist mir jetzt.
Mein Weg führt weiter. Wer weiß wohin?
Idel leidet am meisten, gern hätte ich ihr die Enttäuschung erspart. Es hat nicht sollen sein. Aber eins ist schade: Nun, da alles so klar und ruhig in mir ist, ist alle Romantik von Berg und Tal, von Straßen und Waldwegen verschwunden. Nur in der Erinnerung liegt es noch in Verbindung mit ihm.
Nun müssen wir für Lottes Zeitung machen. Kurt und ich.
Nun gut, jetzt liegt ja kein Rätsel mehr zwischen uns.
Und dann Lottes preußische Heirat. Und ich wieder in Hannover.
Und es regnet unaufhörlich. Die ganze Ernte! Gut, dass sie Geld hat.
10 Minuten vor 7. Kamen von unten. Lotte war traurig, dass sie von ihrem Kurt noch keine Nachricht hat, zeigt mir auf seinem Schreibtisch das Bild vom Hause und ihr Bild. Sie sieht süß aus, ja, er muss sie lieben. Die Alten standen dabei, sie dachten wohl an mich und waren besonders gut zu mir.
Und dann kam er herein. Ich empfing ihn gleich damit, dass ich mir seine Bilder besehen hätte. Er saß neben mir. Wir sprachen, neckten und doch, wie anders als früher! Mir fehlt die Sonne, ich habe solche Sehnsucht, ich muss bald weg. Und dann von der Verlobung…
Lotte und ich im Musikzimmer, bald kam auch er, spielt und singt: „Wenn du mich liebst, so wie ich dich.“
Ich hatte meinem Herzen doch noch zu viel zugemutet. Zur wirklichen Mitfreude gehört ein Engel. Ich weinte innerlich. Und nun denke ich, dass es mir doch wahnsinnig schwer werden wird, den 17. August mitzumachen. Und dabei dachte ich, ich wäre gegen alles gefeit.
Auf der Treppe vor dem Hause standen beide, und wie ich ihnen „Lebewohl“ sagte, dachte ich nur: „Oh, ihr Glücklichen!“
Aber es muss auch Unglückliche geben.


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