Trotzige Augen

1–2 Minuten
Seite 153 Teil 2

Sonnabend, den 31. Juli 1926

Komme eben aus Göttingen zurück. Zerstreuung hilft mir, nur nicht brüten!

Liesel schreibt mir heute Morgen voll Liebe. Idel voll Menschenverachtung, tiefste Verbitterung. Sie hasst ihn. Aber das kann ich nicht.

Lotte, Legau und ich saßen hinten, Bine winkt. Kurt mit seinem Vater vorn. Sausende Fahrt! Lotte und ich machten Besorgungen. Alle die Studenten, bunte Mützen. Ehe ich abreise, muss ich Hilde noch mal sehen.

Lotte, Kurt und ich zusammen für Lotte ein Kleid gekauft. Lotte probiert an, wir beiden allein. Ich wunderte mich, wie ruhig ich ihn ansehen konnte. Besonders als er meinte, er hätte mich von Grund auf ummodeln müssen. Da sah ich ihn an und liebte ihn nicht mehr: „Und das wäre Ihnen nie gelungen!“ Er machte sein ernstes Willensgesicht. Unwiderstehlicher Männerwillen sollte es ausdrücken. „Bestimmt hätte ich es erreicht!“

Festgeschlossene Lippen.

„Nie!“, sagte ich mit trotzigen Augen. Nur wer mich liebt, bekommt mich einmal ganz.

Ach, mein Herz ist wieder froh. Haben das Liesels Bitten gemacht? Schwer mit Paketen beladen kommen wir ins Haus. Legau und Kurt stehen da. Ich albere mit Legau, werfe ihm das Papier zu, er fängt mich auf. Lachen.

Weil ich über die Autopanne gelacht habe, will Kurt mich verkloppen. Morgen ist Sonntag, da laufe ich wieder zu meiner Lotte-Freundin.

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