
Montag, den 4. Oktober 1926
25 Jahre. Und das letzte Jahr war das schönste und das schwerste.
Aber mein Lachen habe ich noch!
Gestern war es herrlich: Annemarie, Hilde, Marie und Wilma. Viel habe ich ihnen erzählt und wir waren ausgelassen froh! Die Tanten freuten sich an unserem Lachen. Ach, sie sind alle gut zu mir. Sie werden mir helfen, dass ich kein Heimweh mehr habe nach denen da unten. Heute kam ein Brief mit Bildern von Lotte. Ich fühlte, sie sehnt sich nach mir. Könnte ich mal schnell zu ihr und doch geht es nicht.
Und nun muss ich wieder und wieder das Bild ansehen, das Lotte am liebsten mag: wo Bruder Kurt mich in seinen festen Armen hält. Das war der letzte Nachmittag da unten.
Riethagen war für mich diesmal nichts. Zu traurig, zu viele Schmerzen. Ich stand am Fenster in Käthes Zimmer oben und sah über die weite Marsch, bis dahin, wo der Himmel die Erde berührte. Heimat, meine Heimat… Warum schweigt meine Sehnsucht hier nicht? Warum hört das Fragen nie auf?
In der Ferne sehe ich die Berge mit dem grünen Tal, wo all meine Freude, mein Leid wohnt. Sehe die weite Ebene, wo golden die Sonne untergeht, mit dem weißen Hause am Ende der Welt.


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