Autor: Helene Oltrogge

  • Wollen wir wieder von vorn anfangen?

    Wollen wir wieder von vorn anfangen?

    Sonntag, den 27. Juni 1926 Ach, ich lebe. Ich fühle, dass er mich doch wohl liebt, dass er mich vielleicht sogar heiraten will. Morgen fährt er ab, erst zu Margas Hochzeit und dann nach Ostpreußen, und Lotte bringt er mit. Vierzehn Tage bleibt er sicher weg. Aber da war ja gestern, Sonnabend, der 26. Juni:…

  • Was will er denn nun bloß?

    Was will er denn nun bloß?

    Donnerstag, den 24. Juni 1926 Heute Morgen erwachte ich mit einem dicken Auge. Zum Arzt. Erkältet. Warum muss man mich immer quälen, verwunden, mir wehtun? Er weiß, dass ich auf Idel nichts kommen lasse, und immer wieder fängt er damit an. Um ein Bild von mir zu bekommen, hat er sich von Käthe instruieren lassen.…

  • Eine laue Sommernacht

    Eine laue Sommernacht

    Dienstag, den 22. Juni 1926 Gestern war Maries Geburtstag. Ob Heine an sie gedacht hat? Golden scheint die Sonne. Jei! Rot leuchtender Mohn steht neben dem Bild meiner ersten Liebe. Wie lieb ich die Blumen! Rechts stehen Heckenrosen bei Hermanns Bild. Ihr Lieben alle! Die ganze weite Welt grüße ich. Bald ist Vollmond. Eigentlich wollte…

  • Nur nicht denken

    Nur nicht denken

    Sonntag, den 20. Juni 1926 Bine und ich sind allein. Alle anderen sind nach Reinhausen gefahren, zum Landesbischof. Ich bin zwar unten eingeladen, muss aber hierbleiben. Wenigstens habe ich alle schon gesehen. Sie haben bereits Heu gewendet. Kurt sah ich über den Hof gehen. Gestern spielte ich mit dem kleinen Werner auf dem Rasen, und…

  • Nicht aus Mitleid

    Nicht aus Mitleid

    Mittwoch, den 16. Juni 1926 Raudi und ich im Lustfeld. Herrliches Wetter! Bine ist immer noch oben, hustet. Heute Abend geht es in den Zirkus. Die Baronin ist in Hannover. Von unten, vom Hof her, ein Winken. Man hat meine Jacke gefunden. Der Baron und Kurt sind denselben Weg noch einmal gefahren. Und nun ist…

  • Heimat

    Heimat

    Dienstag, den 15. Juni 1926 Regenwetter, trübste Stimmung. Mir fehlte etwas, weil er nicht da war. Ich ging zu Fräulein Sprenger. Auch sie war müde und abgespannt. Dann der Zug nach Hause. Da steht er unten auf dem Hof und gleich überkommt mich ein Glücksgefühl. Nun bin ich nicht mehr allein. Wenn ich will, kann…

  • Zwischen drei Blicken

    Zwischen drei Blicken

    13. Juni 1926 – Geburtstag von Frau Schmidt Montag, den 14. Juni 1926 Bine weint eigensinnig, weil ich auf dem Spaziergang nicht beide Hände nehmen will. Diesmal bin ich unerbittlich. Gestern habe ich mich rühren lassen, habe ihretwegen verzichtet, heute soll sie wissen, dass ich auch meinen Willen habe. Das Kind kann sich schwer unterordnen…

  • Erkämpfte Ruhe

    Erkämpfte Ruhe

    Sonnabend, den 12. Juni 1926 Immer, wenn ich unten gewesen bin, ist mir freier zumute. So, als ob ich erst einmal wieder meine Pflicht getan habe. Kurt und Legau waren mit dem Auto fort, alle anderen da. Legau ganz Kavalier, aber der Geburtstag ist ja erst morgen. Schnell versteckten wir die Blumen. Frau Schmidt: „Nun…

  • Der Mann am Steuer

    Der Mann am Steuer

    Donnerstagabend, den 10. Juni 1926 Die Katze dreht mir ehrfurchtsvoll den Rücken zu. Sie will nichts von meiner Schreiberei wissen. Und hat wohl recht. Sie würde sicher lachen. Ach, in mir ist ein Frohsinn, eine Freude, eine Ruhe. Gestern und heute! Herrlich! Gestern nach Tisch hinunter. Die Stimme des Barons fragte, ob ich allein spazierengehen…

  • Was mache ich heute?

    Was mache ich heute?

    Mittwoch, den 9. Juni 1926 Eben sah ich ihn über den Hof gehen. Legau und Edam voran. Keiner sah hinauf. Gestern brachte ich Frau Schmidt einen schönen Feldblumenstrauß. Nur die Alten waren da. Vor dem Kaffee lief ich noch einmal nach oben, denn Kurt sollte jeden Augenblick mit dem Tierarzt zurückkommen. Morgen kommt Lore. Was…