Autor: Helene Oltrogge

  • Schloss am Ende der Welt

    Schloss am Ende der Welt

    Montagabend, den 30. August 1926 Adelebsen. Mein Herz ist noch in Schliestedt, in dem Hause, das am Ende der Welt liegt. In dem Hause, wo man Frieden findet. Alles Leid, so schmerzhaft tief, muss da draußen hinter den Bergen bleiben, dort, wo die Sonne untergeht. In Schliestedt gibt es eine Frau, die mich wie ihr…

  • Nimm dich in acht!

    Nimm dich in acht!

    Montag, den 2. August 1926 Heute lacht die Sonne. Es wird gewählt. Arbeitslose aus Uslar. Es muss alles mit der Hand gemacht werden. Morgen fahren wir nach Schliestedt, wer weiß, wie lange? Aber zum 17. werden wir wohl wieder hier sein. Gestern wieder ein Tag! Samstag war ich ganz früh zu Bett gegangen. Ich fühlte…

  • Trotzige Augen

    Trotzige Augen

    Sonnabend, den 31. Juli 1926 Komme eben aus Göttingen zurück. Zerstreuung hilft mir, nur nicht brüten! Liesel schreibt mir heute Morgen voll Liebe. Idel voll Menschenverachtung, tiefste Verbitterung. Sie hasst ihn. Aber das kann ich nicht. Lotte, Legau und ich saßen hinten, Bine winkt. Kurt mit seinem Vater vorn. Sausende Fahrt! Lotte und ich machten…

  • Eine Zeitung für Lotte

    Eine Zeitung für Lotte

    Freitag, den 30. Juli 1926 Gestern Abend war Lotte hier. Und nun ist Friede in mir, tiefster Friede. Jetzt erst kann ich mich mit ihnen freuen, will mit ihnen froh sein. Die kleine Margarete wird schon am 10. kommen und zur ihres Liebsten Geburtstag hier sein. Sie wären beide so toll verliebt ineinander. Mir tut…

  • Die Sonne vom Rhein

    Die Sonne vom Rhein

    Mittwoch, den 28. Juli 1926 Da haben Lotte und Kurt angerufen, ich müsste abends kommen. Dr. Reiler war auch da. Und nun soll am 17. August Lottes Verlobung sein und ich muss alles miterleben. Lotte musste ihm etwas gesagt haben. Er war so gut zu mir, wie ein Bruder, der es gutmachen will. Er setzte…

  • Das Kind als Schutz

    Das Kind als Schutz

    Dienstagmittag, den 27. Juli 1926 Legau pfiff und winkte. Warum sollte ich ihm nicht winken? Der mag mich ja noch. Um halb 4 Lotte und ihre Mutter auf dem Hof. Beide winken, ich sollte kommen. Ich holte mir das Kind, damit es mit mir winken sollte. Ich fühlte ihre verdoppelte Liebe zu mir, aber ich…

  • Fremd und kalt

    Fremd und kalt

    Sonntag, den 25. Juli 1926 Der Tag bedeutete mehr als Tod, er nahm mir alles! Es sollte niemand mit mir gehen, allein, einsam. Wir kamen alle lustig von der Jagd. Ich stehe noch mit Fräulein Sauermann auf dem Flur, da kommt das Auto. Wäre ich doch weggelaufen, zur anderen Tür hinaus! Warum, oh Gott, dieser…

  • Helft mir!

    Helft mir!

    Sonnabend, den 24. Juli 1926 Die Sonne ist längst hinter den Bergen zur Ruhe gegangen, nur die leuchtenden Wolken erzählen noch von ihr. Beide Arme strecke ich nach ihnen aus: Helft mir! Aus Dortmund eine Karte! „Lachende Sonne!“, schreibt er an seine Mutter. Warum? Weil sie mit ihnen nach Düsseldorf fährt? Vielleicht bringen sie von…

  • Leb wohl, mein Herzenskind

    Leb wohl, mein Herzenskind

    Freitag, den 23. Juli 1926 Bine ist wieder erkältet. Man hält mich für schuldig. Der Baron sagte bei Tisch gestern, Bine wäre erhitzt ins Haus gekommen, und dabei hatte er mich mit Blicken angesehen. Na, lasst sie nur. Und übermorgen kommen sie wieder. Hurra, Lotte und Kurt! Heute habe ich mit ihrer Mutter Erbsen ausgemacht.…

  • Eine kleine Hochzeitsreise

    Eine kleine Hochzeitsreise

    Dienstag, den 20. Juli 1926 Heute regnet es in Schauern. Er hat seine Gerste noch nicht ganz rein. Aber damit er nicht traurig sein soll, muss ich heute Abend hinunter. Legau hat mir hoffentlich die Spitze mitgebracht. Gestern wurde schwer eingefahren. Bine in Göttingen. Lotte und ich bei Pastors, dann zu Hause geklönt. Kurt arbeitete.…